Austrianische Sprachschule (Teil I)

Posted in Kultur muss auch mal sein on Februar 26th, 2010 by schwarzSicht

Deutschland-Oesterreich

Heisst zwar auch in Österreich die Amtssprache "Deutsch", stößt jedoch der preussische Einwanderer in der schönen Alpenrepublik schnell auf Sprachschwierigkeiten, die sich nicht allein in der oftmals sehr exotischen Terminologie begründen lassen, sondern vielmals auch in einer völlig unterschiedlichen Mentalität der beiden Volksstämme ihre Ursachen haben.

Während auf syntaktischer Ebene Werke wie Ostarichi exzellente Dienste erweisen, stiftet die Semantik vielmals unbemerkt unnötige Verwirrung. Diese lose Artikelserie soll Licht ins Dunkle der österreichischen Sprachpsychologie bringen und damit ihren Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Ich mag mich in vielen Interpretationen irren und dem ein, oder auch anderen damit Unrecht tun, ich versichere jedoch in meiner inzwischen eindreivierteljährigen Erfahrung nach bestem Wissen und Gewissen vorzugehen.

- "eh kloar!" –

Eine Floskel des Österreichers, wenn ein Sachverhalt klar ist, er aber dennoch seichte Zustimmung signalisieren möchte. Kann in einer angeregteren Diskussion allerdings auch aggressiv eingesetzt werden um ein den Adressaten langweilendes Thema zu unterbrechen, oder aber um zu implizieren, dass Gegenüber halte einen selbst offensichtlich für "deppat".

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Islamophobie

Posted in Foo, Kultur muss auch mal sein on Januar 15th, 2010 by schwarzSicht

frightened

Angst ist eines der ursprünglichsten, intensivsten und sinnvollsten menschlichsten Gefühle überhaupt, ohne die es eine Zivilisation gewiss nicht geben könnte. Angst ist ein Frühwarnsystem für existentielle Bedrohungen, die uns erlaubt vernichtende Angriffe auf unser Leben abzuwehren, bevor sie erfolgen. Doch Angst kann auch lähmen, zerstören und diskriminieren, wenn sie entartet und wuchert.

 

In unseren heutigen, mitteleuropäischen Zivilisationsbunkern, die wir uns mit unserer exorbitanten Anpassungsfähigkeit geschaffen haben, besitzen existenzielle Ängste kaum mehr eine Berechtigung. Wir können uns in der überbordenenden Mehrheit stets sicher sein, warmgehalten, genährt, gewässert und medizinisch umsorgt zu sein, egal, wie ungeschickt wir uns im Alltag auch anstellen mögen, gleichgültig, welch ungerechtes Schicksal uns ereilen möge. Eine Bedrohung durch wilde Tiere, Krieg oder Kriminalität ist bestenfalls als marginal zu bezeichnen, ratifiziert man verlässliches, statistisches Material. 

Und doch ist Angst existenzieller Bestandteil unserer Persönlichkeit. Gibt es keinen Grund mehr, vor äusseren Einflüssen berechtigt Angst zu haben, sucht sich unser Angstbedürfnis alternative Ventile. Die stetig zunehmende Zahl der Angsterkrankungen mit zum Teil dramatischen Auswirkungen vermag diese These zu stützen. 

Hinzu kommt die Kleingeisterei, die gerade dem Mittelwohlständler beständig im Nacken sitzt: Er krallt sich verzweifelt an dem bisschen Materiellen, dass er sich selbst erwirtschaftet glaubt, fest und verliert hierbei leicht die Relation der Bedeutsamkeiten. Der "gute Christ" schämt sich aber gerne dieser egozentrischen Ängste, weshalb er sie so lange in vorgeschützer Besorgnis um das christiche Gutmenschenwertesystem kleidet und mimt, die abendländische Kultur vor ihrem sicheren Untergang bewahren zu wollen. Letztlich fehlt hier doch nur ein Feindbild, welches sich jedoch leicht in den Reihen unserer muslimischer Einwanderer ausmachen lässt: Fremd anmutende Menschen, oft in verschleierndes Tuch gehüllt, mit imperialistischem Funkeln in den schwarzen Augen, die ganz offen nach der Weltherrschaft trachten. Oder zumindest exotische Gebetshäuser mit Türmen bauen wollen und unverschämterweise ihre Grundrechte auf freie Religionsausübung einfordern. 

Schnell ist hier eine akute Bedrohung ausgemacht, schnell verbrüdert man sich mit dem "Establishment", dem man noch zu trans- und postpubertären Zeiten unbedingt den Kampf angesagt hatte. Mit allen Mitteln wird versucht, sich selbst zur Norm zu erklären, um ja seine abstrusen Phobien und Befürchtungen in ein wohlfeiles, völkisches Gewand zu kleiden. Der marktschreierisch christlich-traditionelle Demissionierungsinhibitationsbeauftragte aus eigenen Gnaden bezeichnet sich selbst gern als "konservativ", übersieht dabei aber, dass das Konservative den multikulturellen Charakter einer sich weiterentwickelnden Gesellschaft in einer vernetzten Welt, im Gegensatz zum agitatorischen Kulturmonopolisten, längst konstruktiv in sein Weltbild eingebunden hat, während neofeudalistische Kleingartenpächter und Deutschrosenzüchter höchst unkonservativ um ihr bisschen Habe bangen, nach welcher der diabolisierte Muselmann laut ihrer bäuerlichen Denke einzig trachtet.

Der "weltweite" Terror hat dem braunen Gedankenhabitus unsagbaren Vorschub geleistet. Regierungen nutzen die Angst dankbar und wohlkalkuliert zur Kontrolle des Pöbels. Niemand mag sich mehr an die Schandtaten des Christentums erinnern, wenn er aus seiner diesbezüglichen Glaubensorientierung das "Recht des Besseren" ableitet. Der bedingtbelichtete, geistige Mittelstand ist auf bestem Wege, den Humanismus einem neuen, christlichen Fundamentalismus zu opfern. Und regt sich dabei über die verschwindend geringe Anzahl islamistischer Trottel in Europa auf.

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Was wäre die Welt nur ohne mich?

Posted in Foo, Kultur muss auch mal sein, Textblech on November 26th, 2009 by schwarzSicht

Ich habe bereits geniale Erfindungen für einen lebenswerteren Alltag ersonnen, da konnten andere nicht einmal sprechen. Dennoch bin ich *GOTTSEIDANK* bodenständig geblieben, Untugenden wie Selbstüberschätzung, Blasiertheit oder gar Arroganz sind mir glücklicherweise fremd. Dies muss an meinem überaus liebenswerten, geduldigen und toleranten Wesen liegen, ich konnte schon immer gut mit weniger Begabten. Wäre auch richtiggehend angeschissen, sei dem anders… Nichts desto trotz bedarf auch ich zeitweilig der Anerkennung Dritter, darum hier eine kurze Übersicht meiner Errungenschaften für die Menschheit.

Am Anfang stand der Dübel

Duebel

Natürlich, Dübel existierten schon lange vor meiner Zeit, aber meine Ableitung, der Nübel, wurde von mir im Alter von etwa drei Jahren entwickelt. Rein theorethisch, versteht sich.

Aufgewachsen unter Frauen, kannte ich Bohrmaschinen nur vom Hörensagen. Immer wieder ärgerte es mich, wenn mir das Familienfoto, unsachgemäß mittels eines Nagels über meinem Bett befestigt, unmotiviert des Nächtens auf meinen wertvollen Schädel prallte. Also erdachte ich eine stählerne Hülse mit Spreizarmen, welche sich ausbreiten mögen, sofern ein Nagel in sie geschlägen würde. Um ein Herausrutschen des Nagels zu verhindern, besäße dieser eine ringförmige Nut, die in eine entsprechende Aussparung im Nübel einrasten könne. Einziges Manko: Ein derartiges Konstrukt wäre nur noch unter nennenswerten Kolateralschäden wieder aus der Wand zu entfernen.

Kürzlich im Baumarkt erspähte ich genau eine solche Konstruktion. Hieß natürlich nicht Nübel, aber ich war zu aufgebracht, mir den Namen des Plagiats zu merken. Ich hätte meine Tagebücher niemals ins Altpapier geben dürfen.

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Andie Gabauers The Earth, Wind & Fire Projekt

Posted in Kultur muss auch mal sein on April 27th, 2009 by schwarzSicht
Das gespannte Publikum II Das gespannte Publikum I Da war die Band noch in Ordnung Tinkie Winkie Auf der Bühne

Earth Wind and Fire Covers gibt es ja nicht erst drei. Umso größer die Erwartungen an ein Projekt, das in dieser Richtung noch Alleinstellungsmerkmale aufweisen will. Am Samstag hatte ich im Forum Neuhofen / Krems Gelegenheit, mir selbst ein Bild zu machen.

Mit einer rockstarallürisierten Verspätung von einer halben Stunde betrat die Band die kleindimensionierte Bühne des künstlich halbierten Musiksaales des Neuhofener Forums. Bei näherer Betrachtung einiger Bandmitglieder beschleicht einen spontan der Verdacht, es könne sich um eine Art musikalisches Integrationsprojekt für körperlich und geistig Behinderte handeln. Doch das ist oberflächlich und definitiv falsch, wie sich herausstellt, wenn man den Künstlern bei ihrer Arbeit zuhört. Nach ein paar Takten fetzigen Funks ließ sich Herr Gabauer unter frenetischem Tussengejohle regelrecht auf die Bühne feiern.

Betrachtet man die geifernde Begeisterung der anwesenden Damen im leicht überschrittenen, besten Alter, darf man berechtigt den Verdacht hegen, den Österreicherinnen seien die Männer ausgegangen. Wenn schon ein alterndes Männlein mit selten dämlicher Haarfrisur derart sturzbachartige Dopaminausschüttungen zu verursachen vermag…

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